Mit klaren Worten und vorsichtigem Optimismus hat der Sportbund Bonn (SSB) beim ersten Hintergrundgespräch des Bonner Medienclubs 2026 seine Positionen skizziert. Vorsitzende Ute Pilger und Geschäftsführer Bernd Seibert machten dabei deutlich, vor welchen Herausforderungen der organisierte Sport in der Bundesstadt steht. Zugleich zeigten sie Perspektiven für die Zukunft der mehr als 340 Vereine auf.

Pilger, seit sieben Jahren ehrenamtliche Vorsitzende, und Seibert, seit 2015 hauptamtlicher Geschäftsführer, stellten im Restaurant Cantos die Arbeit des Sportbundes vor. Mit rund 90.000 Mitgliedern ist er die größte zivilgesellschaftliche Organisation in Bonn.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen die teils erheblichen Defizite bei den Sportstätten. Viele Anlagen sind sanierungsbedürftig, zugleich fehlt es an Investitionen. Da die meisten Vereine auf städtische Infrastruktur angewiesen sind und nur 55 über eigene Anlagen verfügen, verschärft sich die Lage zunehmend. Ein weiteres zentrales Thema war die Bonner Bäderlandschaft. Die vorhandenen Wasserflächen reichen nach Einschätzung des Sportbundes nicht aus. Zudem fehlen barrierefreie Angebote. Sanierungen werden häufig durch Vorgaben des Denkmalschutzes erschwert.

Ungeachtet dieser Probleme setzt der Sportbund auf aktive Gestaltung. Vereine sollen künftig verstärkt dabei unterstützt werden, nachhaltiger zu wirtschaften. Erste Auszeichnungen für entsprechendes Engagement sind bereits in Planung. Auch mit Blick auf das Ehrenamt zeigt sich der Sportbund zuversichtlich. Entscheidend sei jedoch, dass sich die Vereine an gesellschaftliche Veränderungen anpassen und offen für neue Entwicklungen bleiben.

Jérôme Lefèvre

Vier Jahre Krieg – und plötzlich ist es stiller geworden. Keine Dauerschalten mehr wie im Februar 2022. „Zum vierten Jahrestag hat es nicht eine einzige Medienanfrage gegeben“, sagte Dr. Joachim Weber beim Hintergrundgespräch des Bonner Medienclubs im Restaurant Cantos. Das habe ihn „einigermaßen erschüttert“. Weber ist sicherheitspolitischer Experte am CASSIS (Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies) der Universität Bonn, tritt seit 2022 regelmäßig zum Ukraine-Krieg und seinen geopolitischen Folgen in TV- und Fachformaten auf. Der Krieg in der Ukraine sei zum „Grundrauschen“ geworden – präsent, aber nicht mehr dringlich genug für Schlagzeilen. Genau deshalb sei es wichtig, genauer hinzuhören, so der Experte.

Weber zog eine nüchterne Bilanz. Militärisch stecke der Konflikt in einem „unentschiedenen Patt“. Die Front bewege sich kaum, die Belastung aber wachse – für die Ukraine ebenso wie für ihre Unterstützer. Zugleich bleibe unklar, welche strategischen Ziele Moskau langfristig verfolge. „Wir wissen nicht einmal, was Putin will“, sagte Weber. Gerade diese Ungewissheit erschwere Prognosen und mache strategische Vorsorge umso notwendiger.

In der Diskussion ging es um die Rolle der USA, die Belastbarkeit der europäischen Unterstützung, um Sanktionen und mögliche Verhandlungsperspektiven. Weber dämpfte Erwartungen an schnelle Lösungen. Ein klarer militärischer Sieg der Ukraine sei ebenso wenig realistisch wie ein rasches Einlenken Russlands. Abschreckung bleibe zentral, Europa müsse mehr Verantwortung übernehmen. Ein eingefrorener Konflikt sei denkbar, weitere Eskalationen ebenso. Sicher sei nur: Die strategischen Folgen dieses Krieges werden Europa noch lange beschäftigen – Ende nicht in Sicht.

Richard Bongartz