Aktuelles und News vom BMC

Vor zahlreichen Gästen aus Politik, Verwaltung, Medien, Wirtschaft und Gesellschaft hat der Bonner Medienclub beim diesjährigen Sommerempfang auf dem KUNST!RASEN den Bröckemännche-Preis 2026 an Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), verliehen.

In seiner Begrüßungsrede stellte der Vorsitzende des Bonner Medienclubs Professor Andreas Archut die Parallelen zwischen funktionierender Infrastruktur und digitaler Sicherheit heraus. So wie Brücken und Verkehrswege erst dann öffentliche Aufmerksamkeit erhielten, wenn sie ausfielen, werde auch Cybersicherheit häufig erst im Krisenfall sichtbar. Digitale Sicherheit sei heute längst eine Voraussetzung für staatliche Handlungsfähigkeit, wirtschaftliche Stabilität und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger.

Mit dem Bröckemännche-Preis würdigt der Bonner Medienclub Persönlichkeiten, die Verantwortung übernehmen, Missstände klar benennen und gesellschaftliche Debatten mit Sachlichkeit, Unabhängigkeit und Mut prägen. Diese Eigenschaften verkörpere Dr. Claudia Plattner in besonderer Weise.

In ihrer Dankesrede bedankte sich Plattner herzlich für die Auszeichnung und unterstrich die wachsenden Gefahren im Cyberraum. Cyberangriffe, digitale Abhängigkeiten und Desinformation stellten Staat, Wirtschaft und Gesellschaft vor immer größere Herausforderungen. Gleichzeitig hob sie hervor, dass digitale Souveränität zu einer der entscheidenden Zukunftsaufgaben Deutschlands und Europas geworden sei.

Besondere Aufmerksamkeit widmete sie der Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Deren Dynamik werde die digitale Sicherheitslandschaft nachhaltig verändern. Deutschland und Europa müssten deshalb deutlich schneller werden, beim Aufbau eigener Kompetenzen, bei Innovationen und bei der Umsetzung sicherer digitaler Technologien. Dabei sprach Dr. Plattner nicht von einer „Zeitenwende“, sondern von einer „neuen Zeitrechnung“, auf die sich Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen einstellen müssten.

Die Laudatio hielt Vizeadmiral Dr. Thomas Daum, Inspekteur des Cyber- und Informationsraums der Bundeswehr. Im Anschluss nutzten die Gäste den Sommerempfang für intensive Gespräche und den persönlichen Austausch – ganz im Sinne des Bonner Medienclubs, der seit vielen Jahren den Dialog zwischen Medien, Politik, Verwaltung und Gesellschaft fördert.

Foto: (v.l.) BMC-Vorsitzender Andreas Archut, Dr. Claudia Plattner, Vizeadmiral Dr. Thomas Daum. Foto: Benjamin Westhoff

Der General-Anzeiger treibt seinen Umbau zum digitalen Medienhaus weiter voran. Beim Besuch des Bonner Medienclubs machte Geschäftsführer Kersten Köhler in den Büroräumen an der Baunscheidtstraße deutlich: „Wir machen Mediendienstleistung, Information aus Bonn für Bonn – und zwar aus Leidenschaft.“ Gleichzeitig stehe das Haus vor Herausforderungen, weil die gedruckte Zeitung an Bedeutung verliere und digitale Angebote wachsen müssen.

Chefredakteur Helge Matthiesen erklärte, dass sich Inhalte stärker am Nutzungsverhalten orientieren: „Wir müssen es so erzählen, dass es auch Menschen erreicht.“ Das hat Folgen für die Themenauswahl – klassische Formate wie ausführliche Ratsberichte werden seltener, wenn sie kaum gelesen werden. „Wir bemühen uns, die politischen Inhalte, die wir auch als Journalistinnen und Journalisten für unverzichtbar halten, so zu erzählen, dass es auch Menschen erreicht“, sagte Sylvia Binner von der Chefredaktion.

In der Diskussion wurde auch Kritik laut, etwa zur lokalen Politikberichterstattung. Die Redaktion verwies auf den Spagat zwischen Anspruch und Wirtschaftlichkeit. Klar sei: „Journalismus muss bezahlt werden.“ Trotz aller Veränderungen sieht sich der General-Anzeiger als verlässliche Stimme der Region. „Das, was wir verkaufen, ist Vertrauen“, betonte Köhler.

Das Echo war erwartungsgemäß groß, als Oberbürgermeister Guido Déus kürzlich Gast des Bonner Medienclubs war. Mehr als 70 Mitglieder kamen ins Cantos, um den CDU-Politiker zu befragen, der seit 1. November 2025 an der Spitze der Stadtverwaltung steht.

In seinem Eingangsstatement nannte das Stadtoberhaupt seine Schwerpunkte: die Neuordnung der Verwaltungsstrukturen, die Aufstellung eines genehmigungsfähigen Haushalts und den Dialog mit den wichtigsten Vertretern der Stadtgesellschaft. In seinem kurzen Vortrag tauchten alle bekannten Reizwörter auf: Adenauerallee, Parkraumbewirtschaftung, künftige Struktur der Bonner Kulturlandschaft, Bäder beziehungsweise Sportstätten sowie Wohnungsbau.

„Das Amt macht mir nach wie vor Spaß“, bilanzierte Déus, ehe die ausgiebige Fragerunde begann.

Monika Hörig

Mit klaren Worten und vorsichtigem Optimismus hat der Sportbund Bonn (SSB) beim ersten Hintergrundgespräch des Bonner Medienclubs 2026 seine Positionen skizziert. Vorsitzende Ute Pilger und Geschäftsführer Bernd Seibert machten dabei deutlich, vor welchen Herausforderungen der organisierte Sport in der Bundesstadt steht. Zugleich zeigten sie Perspektiven für die Zukunft der mehr als 340 Vereine auf.

Pilger, seit sieben Jahren ehrenamtliche Vorsitzende, und Seibert, seit 2015 hauptamtlicher Geschäftsführer, stellten im Restaurant Cantos die Arbeit des Sportbundes vor. Mit rund 90.000 Mitgliedern ist er die größte zivilgesellschaftliche Organisation in Bonn.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen die teils erheblichen Defizite bei den Sportstätten. Viele Anlagen sind sanierungsbedürftig, zugleich fehlt es an Investitionen. Da die meisten Vereine auf städtische Infrastruktur angewiesen sind und nur 55 über eigene Anlagen verfügen, verschärft sich die Lage zunehmend. Ein weiteres zentrales Thema war die Bonner Bäderlandschaft. Die vorhandenen Wasserflächen reichen nach Einschätzung des Sportbundes nicht aus. Zudem fehlen barrierefreie Angebote. Sanierungen werden häufig durch Vorgaben des Denkmalschutzes erschwert.

Ungeachtet dieser Probleme setzt der Sportbund auf aktive Gestaltung. Vereine sollen künftig verstärkt dabei unterstützt werden, nachhaltiger zu wirtschaften. Erste Auszeichnungen für entsprechendes Engagement sind bereits in Planung. Auch mit Blick auf das Ehrenamt zeigt sich der Sportbund zuversichtlich. Entscheidend sei jedoch, dass sich die Vereine an gesellschaftliche Veränderungen anpassen und offen für neue Entwicklungen bleiben.

Jérôme Lefèvre

Vier Jahre Krieg – und plötzlich ist es stiller geworden. Keine Dauerschalten mehr wie im Februar 2022. „Zum vierten Jahrestag hat es nicht eine einzige Medienanfrage gegeben“, sagte Dr. Joachim Weber beim Hintergrundgespräch des Bonner Medienclubs im Restaurant Cantos. Das habe ihn „einigermaßen erschüttert“. Weber ist sicherheitspolitischer Experte am CASSIS (Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies) der Universität Bonn, tritt seit 2022 regelmäßig zum Ukraine-Krieg und seinen geopolitischen Folgen in TV- und Fachformaten auf. Der Krieg in der Ukraine sei zum „Grundrauschen“ geworden – präsent, aber nicht mehr dringlich genug für Schlagzeilen. Genau deshalb sei es wichtig, genauer hinzuhören, so der Experte.

Weber zog eine nüchterne Bilanz. Militärisch stecke der Konflikt in einem „unentschiedenen Patt“. Die Front bewege sich kaum, die Belastung aber wachse – für die Ukraine ebenso wie für ihre Unterstützer. Zugleich bleibe unklar, welche strategischen Ziele Moskau langfristig verfolge. „Wir wissen nicht einmal, was Putin will“, sagte Weber. Gerade diese Ungewissheit erschwere Prognosen und mache strategische Vorsorge umso notwendiger.

In der Diskussion ging es um die Rolle der USA, die Belastbarkeit der europäischen Unterstützung, um Sanktionen und mögliche Verhandlungsperspektiven. Weber dämpfte Erwartungen an schnelle Lösungen. Ein klarer militärischer Sieg der Ukraine sei ebenso wenig realistisch wie ein rasches Einlenken Russlands. Abschreckung bleibe zentral, Europa müsse mehr Verantwortung übernehmen. Ein eingefrorener Konflikt sei denkbar, weitere Eskalationen ebenso. Sicher sei nur: Die strategischen Folgen dieses Krieges werden Europa noch lange beschäftigen – Ende nicht in Sicht.

Richard Bongartz

Der Bonner Medienclub verleiht den Bröckemännche-Preis 2026 an Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mit Hauptsitz in Bonn. Mit der Auszeichnung würdigt der Club eine Persönlichkeit, die mit Klarheit, Mut und Verantwortung Fragen der Cybersicherheit in Öffentlichkeit und Gesellschaft trägt.

 

Die Preisverleihung findet im Rahmen des Sommerempfangs des Bonner Medienclubs am 6. Juli 2026 auf dem KUNSTRASEN in Bonn statt. Die Laudatio hält der Inspekteur des Cyber- und Informationsraums der Bundeswehr, Vizeadmiral Dr. Thomas Daum.

 

Der Vorstand des Bonner Medien-Clubs (BMC) würdigt mit der Preisvergabe insbesondere Plattners Bereitschaft, unbequeme Wahrheiten klar auszusprechen und damit öffentliche Debatten anzustoßen. Cyberangriffe, digitale Abhängigkeiten, Schwächen kritischer Infrastrukturen und die Verwundbarkeit von Staat, Wirtschaft und Alltag seien längst keine abstrakten Fachthemen mehr, sondern Fragen gesamtstaatlicher Sicherheit. „Claudia Plattner macht sichtbar, was viele lieber verdrängen“, sagt BMC-Vorsitzender Prof. Dr. Andreas Archut. „Wer diese Gefahren öffentlich so klar anspricht, macht sich nicht nur Freunde. Aber genau diese Bereitschaft, die Gesellschaft wachzurütteln, ist Ausdruck von Verantwortung und Führungsstärke.“

 

Preisträgerin Plattner rüttelt auf

 

Claudia Plattner

Mit ihren Äußerungen zur digitalen Souveränität hat Claudia Plattner 2025 eine intensive Debatte ausgelöst. Dabei vertrat sie eine Position, die

nicht auf einfache Schlagworte setzt, sondern auf Realismus: Deutschland und Europa müssten eigene digitale Fähigkeiten stärken, zugleich aber auch einen sicheren und selbstbestimmten Einsatz außereuropäischer Technologien ermöglichen. Gerade in dieser Verbindung aus Klarheit, Sachlichkeit und Debattenbereitschaft sieht der Club die besonderen Bröckemännche-Qualitäten der Preisträgerin. „Dass Claudia Plattner auch Widerspruch provoziert, spricht nicht gegen sie, sondern für sie“, so Archut. „Sie sagt frei heraus, was aus Cybersicherheits-Perspektive politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich getan werden muss. Damit stößt sie Debatten an, widerspricht vereinfachenden Erzählungen und erinnert immer wieder daran, dass digitale Sicherheit jetzt und nicht irgendwann organisiert werden muss.“

Claudia Plattner (Jahrgang 1973) ist seit Juli 2023 Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik. Zuletzt war sie Generaldirektorin für Informationssysteme bei der Europäischen Zentralbank und zuvor als Chief Information Officer (CIO) der DB Systel GmbH, dem internen IT-Dienstleister der Deutschen Bahn, in leitender Funktion tätig. Die Mathematikerin gilt als ausgewiesene Expertin für IT, Digitalisierung und Cybersicherheit.

 

Der Bröckemännche-Preis

Der Bröckemännche-Preis des Bonner Medienclubs wird jährlich an Persönlichkeiten verliehen, die sich mutig, kritisch und unkonventionell in die öffentliche Debatte einbringen oder besondere Leistungen für die Stadtgesellschaft vollbracht haben. Zu den bisherigen Preisträgerinnen und Preisträgern zählen unter anderem Dr. Hans Riegel, Wolfgang Clement und Prof. Dr. Nike Wagner.

Was für ein Abend! Zahlreiche Mitglieder und Gäste haben das Weihnachtsessen des BMC am 5. Dezember im Restaurant Cantos in der Beethovenhalle zu einem echten Advents-Highlight gemacht. Und ja: Ludwig van Beethoven war auch dabei – zumindest als inspirierender Geist des Hauses, dessen Atmosphäre uns den ganzen Abend begleitet hat.

Bereits zum Auftakt wurde klar, wie emotional die Rückkehr des BMC in seine frühere Heimat/ Veranstaltungsstätte ist:
“Der Bonner Medienclub kehrt nach rund einem Jahrzehnt in die Beethovenhalle zurück. Für uns ist das wie nach Hause zu kommen an diesen inspirierenden Ort, mit dem wir so viele schöne Erinnerungen verbinden“, so der Vorsitzende des BMC Prof. Dr. Andreas Archut.

Nach einem Sektempfang folgte ein köstliches Drei-Gänge-Menü, gute Gespräche, viele Wiedersehen – und die eine oder andere Überraschung. Ein Abend voller Musik, Begegnungen und festlicher Stimmung. Die Vorstandsmitglieder Dr. Hans-Hoyer von Prittwitz und Gaffron und Andreas Archut erfreuten die Gäste mit einem gedichteten Jahresbericht (abrufbar im BMC-Intranet).

Wir danken allen, die diesen besonderen Abend möglich gemacht haben. Und wir sind sicher: Beethoven hat gefallen, was er da gesehen hat…

 

Lydia Lohmeyer, langjährige Gastgeberin für die Veranstaltung des Medienclubs, darf sich künftig mit ihrem Team als „Premium-Partner“ des BMC bezeichnen. Foto: Johann F. Saba

2. Vorsitzender Dr. Hoyer von Prittwitz und Gaffron (rechts) trug gemeinsam mit Andreas Archut einen gedichteten Jahresrückblick vor. Foto: Johann F. Saba

Zum schnelleren Kennenlernen der rund 80 Gäste gab es zu Beginn des Abends eine Partie „Bingo“, bei der es unentdeckte Eigenschaften von Gästen herauszufinden galt. Foto: Johann F. Saba

Hatten einen wunderbaren Abend: Rund 80 Gäste, BMC-Mitglieder und ihre „besseren Hälften“, genossen die Rückkehr in das Restaurant der Beethovenhalle. Foto: Johann F. Saba

Die Hintergrundgespräche des BMC werden immer beliebter. Diesmal waren 40 Gäste in den Schützenhof gekommen und erlebten an dem Abend, dass das jemand sehr offen spricht über Dinge, die sonst gern hinter Formulierungen verschwinden. Generalleutnant Gerald Funke, Befehlshaber des neuen Unterstützungsbereichs der Bundeswehr und damit zuständig für 55.000 Soldatinnen und Soldaten, beeindruckte im Gespräch mit Monika Hörig und den Mitgliedern.

Funke erklärte, was das Unterstützungskommando eigentlich trägt: Logistik, Militärpolizei, ABC-Abwehr, Sanitätsketten, Zusammenarbeit mit Kliniken, Transporteuren, Polizei – all das, was dafür sorgt, dass die kämpfende Truppe überhaupt funktionieren kann. Ohne die enge Verzahnung mit zivilen Partnern gehe gar nichts, sagte er sinngemäß. Und er scheute sich nicht, die Lage klar zu zeichnen: Die Bundeswehr sei aufgewachsen, aber längst nicht dort, wo sie angesichts der Bedrohung durch Russland stehen müsse. Die Wehrdienst-Pläne der Bundesregierung bewertet er als wichtigen, pragmatischen Einstieg.

In der Diskussion ging es dann quer durch die drängenden Themen: Drohnenabwehr, Verwundetentransport, die Abhängigkeit von zivilen Speditionen, Doppelbelastungen von Ehrenamtlichen, mögliche Engpässe in Kliniken und die Frage, wie realistisch ein massiver Personalaufbau überhaupt ist. Funke blieb bei allem erstaunlich direkt – nicht alarmistisch, aber auch nicht beschönigend. Sein roter Faden: Sicherheit sei längst keine reine Aufgabe der Bundeswehr mehr, sondern eine, die nur funktioniert, wenn alle Teile der Gesellschaft mitziehen.

Richard Bongartz

Wie bringt man Europa näher an die Menschen heran? Eine Antwort darauf versucht die EU-Kommission mit ihrer Regionalvertretung in Bonn zu geben. Der Europa-Punkt am Bundeskanzlerplatz versteht sich als Anlaufstelle für Bürger*innen, Schulen, Medien und Organisationen, die mehr über die Arbeit der EU erfahren wollen.

Am 8. Oktober 2025 war der Bonner Medienclub auf Einladung von Dr. Stefan Lock, dem Leiter der Bonner Vertretung, zu Gast in der EU-Repräsentanz der Regionalvertretung der Europäischen Kommission. Die hiesige Regionalvertretung ist erst kürzlich an die geschichtsträchtige Adresse umgezogen.

Lock begann seine Vorstellung der Regionalvertretung damit, ihre Aufgabe, die Arbeit der EU-Kommission – auch in Abgrenzung zu anderen EU-Institutionen – als Informationszentrum Europa-Punkt Bürgern, Schulen, Medien, Organisationen bei Veranstaltungen, in Seminaren, aber auch auf Anfrage in individuell zugeschnittenen Formaten zu erläutern. Zuständig ist die von Lock geleitete Vertretung für Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland und versteht sich als Bindeglied zwischen diesen Bundesländern und der Kommission in Brüssel.

Die Mitglieder bekamen Einblick in das aktuelle politische Programm der EU-Kommission, in dessen Zentrum die Wettbewerbsfähigkeit der EU steht. Dabei lenkte Lock auch den Blick auf die Planbarkeit der Agenda und insbesondere den dafür nötigen Budgets in einer Zeit kumulierter Krisen. Gleichzeitig steigt der Bedarf, die EU zu erklären, in Zeiten zunehmender Kritik. So seien Entscheidungen wie die des EU-Parlaments am Tage des Hausbesuchs, aufgrund der Verwechslungsgefahr zwischen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln Begriffe wie „Tofu-Würstchen“, „Soja-Schnitzel“ oder „Veggie-Burger“ zu verbieten, erklärungsbedürftig.

Die Regionalvertretung setzt in ihrer Arbeit beispielsweise in Schulen den Fokus darauf, was die EU ganz lokal vor Ort in der Kommune bringt, um mehr Nähe zu Brüssel herzustellen. Dabei gab Lock auch den Ausblick auf eine in Planung befindliche Erhebung, um die Erwartungshaltung der Jugend in Interviews zu ermitteln und die Aufklärungsarbeit daran auszurichten.

Jérôme Lefèvre

35 neugierige Besucherinnen und Besucher des Bonner Medienclubs machten sich gemeinsam auf den Weg ins Arp Museum – und erlebten dort einen Abend, der so viel mehr war als nur eine klassische Führung. Museumsleiterin Dr. Julia Wallner und ihre Mitarbeiterin Annette Krapp nahmen alle mit durch die historischen Räume des Bahnhofs und hinein in die leuchtende Welt der abstrakten Kunst. „Ein Bahnhof ist ein Ort des Wegfahrens und Ankommens, ein Ort, an dem man sich trifft“, erklärte Wallner gleich zu Beginn und schlug damit eine Brücke von der Architektur zum offenen Geist des Hauses.

Die Ausstellung „Netzwerk Paris. Abstraction-Création 1931–1937“ brachte die Gruppe mitten hinein in das brodelnde Paris der 1930er Jahre. Dort, wo Künstler wie Piet Mondrian, Hans Arp oder Sophie Taeuber-Arp in klaren Linien und mutigen Farben gegen den erstarkenden Faschismus aufbegehrten, zeigte sich die Vielfalt der Moderne. „Es war schwer, einen Markt zu finden, es war schwer überhaupt zu verkaufen“, betonte Annette Krapp – und genau deshalb schlossen sich über 90 Künstlerinnen und Künstler aus 20 Ländern in dieser Bewegung zusammen. Vor den Bildern und Skulpturen, von Mondrians strengem Blau-Gelb bis zu organisch geschwungenen Linien, konnten alle erahnen, wie radikal diese Ideen damals wirkten.

Besonders eindrucksvoll war, wie die Ausstellung den historischen Bogen bis in unsere Gegenwart spannte. Zwischen den Klassikern fanden wir auch Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern wie Daniel Buren oder Timo Nasseri, die die Prinzipien der Abstraktion heute weiterdenken. Eine Installation aus geometrischen Formen im Außenbereich leuchtete wie eine moderne Hommage an die mathematische Strenge von damals – und doch mit ganz eigener Sprache. „Die Vielfalt der Künstlerinnen und Künstler, die hier zusammenfanden, ist erstaunlich“, hob Krapp hervor. „Und auffallend viele Frauen spielten dabei eine prägende Rolle“.

Die witzigen Wandmalereien des britischen Künstlers Stephen McKenna begegnen den Besucherinnen und Besuchern der Toiletten. Foto: Richard Bongartz

Und dann kam die wohl größte Überraschung des Abends: In den ehemaligen Bahnhofstoiletten entdeckten wir Wandmalereien des britischen Künstlers Stephen McKenna – ein Stück Kunstgeschichte mit augenzwinkernd erotischer Note. Zwischen zarten Figuren, kunstvollen Zitaten und einem Porträt der legendären „Rosalka“ zeigte sich, dass selbst das stille Örtchen im Arp Museum voller Geschichten steckt.

Zum Ausklang standen wir wieder im alten Bahnhof, wo Wallner das Museum als „Ort gegen Einsamkeit“ beschrieb. Mit einem Glas Wein in der Hand spürten die Mitglieder, dass Kunst in diesem Museum nicht nur betrachtet wird, sondern Menschen verbindet. Ein spannender, anregender Abend mit Nachhall.

Richard Bongartz