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Das Echo war erwartungsgemäß groß, als Oberbürgermeister Guido Déus kürzlich Gast des Bonner Medienclubs war. Mehr als 70 Mitglieder kamen ins Cantos, um den CDU-Politiker zu befragen, der seit 1. November 2025 an der Spitze der Stadtverwaltung steht.

In seinem Eingangsstatement nannte das Stadtoberhaupt seine Schwerpunkte: die Neuordnung der Verwaltungsstrukturen, die Aufstellung eines genehmigungsfähigen Haushalts und den Dialog mit den wichtigsten Vertretern der Stadtgesellschaft. In seinem kurzen Vortrag tauchten alle bekannten Reizwörter auf: Adenauerallee, Parkraumbewirtschaftung, künftige Struktur der Bonner Kulturlandschaft, Bäder beziehungsweise Sportstätten sowie Wohnungsbau.

„Das Amt macht mir nach wie vor Spaß“, bilanzierte Déus, ehe die ausgiebige Fragerunde begann.

Monika Hörig

Mit klaren Worten und vorsichtigem Optimismus hat der Sportbund Bonn (SSB) beim ersten Hintergrundgespräch des Bonner Medienclubs 2026 seine Positionen skizziert. Vorsitzende Ute Pilger und Geschäftsführer Bernd Seibert machten dabei deutlich, vor welchen Herausforderungen der organisierte Sport in der Bundesstadt steht. Zugleich zeigten sie Perspektiven für die Zukunft der mehr als 340 Vereine auf.

Pilger, seit sieben Jahren ehrenamtliche Vorsitzende, und Seibert, seit 2015 hauptamtlicher Geschäftsführer, stellten im Restaurant Cantos die Arbeit des Sportbundes vor. Mit rund 90.000 Mitgliedern ist er die größte zivilgesellschaftliche Organisation in Bonn.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen die teils erheblichen Defizite bei den Sportstätten. Viele Anlagen sind sanierungsbedürftig, zugleich fehlt es an Investitionen. Da die meisten Vereine auf städtische Infrastruktur angewiesen sind und nur 55 über eigene Anlagen verfügen, verschärft sich die Lage zunehmend. Ein weiteres zentrales Thema war die Bonner Bäderlandschaft. Die vorhandenen Wasserflächen reichen nach Einschätzung des Sportbundes nicht aus. Zudem fehlen barrierefreie Angebote. Sanierungen werden häufig durch Vorgaben des Denkmalschutzes erschwert.

Ungeachtet dieser Probleme setzt der Sportbund auf aktive Gestaltung. Vereine sollen künftig verstärkt dabei unterstützt werden, nachhaltiger zu wirtschaften. Erste Auszeichnungen für entsprechendes Engagement sind bereits in Planung. Auch mit Blick auf das Ehrenamt zeigt sich der Sportbund zuversichtlich. Entscheidend sei jedoch, dass sich die Vereine an gesellschaftliche Veränderungen anpassen und offen für neue Entwicklungen bleiben.

Jérôme Lefèvre

Vier Jahre Krieg – und plötzlich ist es stiller geworden. Keine Dauerschalten mehr wie im Februar 2022. „Zum vierten Jahrestag hat es nicht eine einzige Medienanfrage gegeben“, sagte Dr. Joachim Weber beim Hintergrundgespräch des Bonner Medienclubs im Restaurant Cantos. Das habe ihn „einigermaßen erschüttert“. Weber ist sicherheitspolitischer Experte am CASSIS (Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies) der Universität Bonn, tritt seit 2022 regelmäßig zum Ukraine-Krieg und seinen geopolitischen Folgen in TV- und Fachformaten auf. Der Krieg in der Ukraine sei zum „Grundrauschen“ geworden – präsent, aber nicht mehr dringlich genug für Schlagzeilen. Genau deshalb sei es wichtig, genauer hinzuhören, so der Experte.

Weber zog eine nüchterne Bilanz. Militärisch stecke der Konflikt in einem „unentschiedenen Patt“. Die Front bewege sich kaum, die Belastung aber wachse – für die Ukraine ebenso wie für ihre Unterstützer. Zugleich bleibe unklar, welche strategischen Ziele Moskau langfristig verfolge. „Wir wissen nicht einmal, was Putin will“, sagte Weber. Gerade diese Ungewissheit erschwere Prognosen und mache strategische Vorsorge umso notwendiger.

In der Diskussion ging es um die Rolle der USA, die Belastbarkeit der europäischen Unterstützung, um Sanktionen und mögliche Verhandlungsperspektiven. Weber dämpfte Erwartungen an schnelle Lösungen. Ein klarer militärischer Sieg der Ukraine sei ebenso wenig realistisch wie ein rasches Einlenken Russlands. Abschreckung bleibe zentral, Europa müsse mehr Verantwortung übernehmen. Ein eingefrorener Konflikt sei denkbar, weitere Eskalationen ebenso. Sicher sei nur: Die strategischen Folgen dieses Krieges werden Europa noch lange beschäftigen – Ende nicht in Sicht.

Richard Bongartz

Die Hintergrundgespräche des BMC werden immer beliebter. Diesmal waren 40 Gäste in den Schützenhof gekommen und erlebten an dem Abend, dass das jemand sehr offen spricht über Dinge, die sonst gern hinter Formulierungen verschwinden. Generalleutnant Gerald Funke, Befehlshaber des neuen Unterstützungsbereichs der Bundeswehr und damit zuständig für 55.000 Soldatinnen und Soldaten, beeindruckte im Gespräch mit Monika Hörig und den Mitgliedern.

Funke erklärte, was das Unterstützungskommando eigentlich trägt: Logistik, Militärpolizei, ABC-Abwehr, Sanitätsketten, Zusammenarbeit mit Kliniken, Transporteuren, Polizei – all das, was dafür sorgt, dass die kämpfende Truppe überhaupt funktionieren kann. Ohne die enge Verzahnung mit zivilen Partnern gehe gar nichts, sagte er sinngemäß. Und er scheute sich nicht, die Lage klar zu zeichnen: Die Bundeswehr sei aufgewachsen, aber längst nicht dort, wo sie angesichts der Bedrohung durch Russland stehen müsse. Die Wehrdienst-Pläne der Bundesregierung bewertet er als wichtigen, pragmatischen Einstieg.

In der Diskussion ging es dann quer durch die drängenden Themen: Drohnenabwehr, Verwundetentransport, die Abhängigkeit von zivilen Speditionen, Doppelbelastungen von Ehrenamtlichen, mögliche Engpässe in Kliniken und die Frage, wie realistisch ein massiver Personalaufbau überhaupt ist. Funke blieb bei allem erstaunlich direkt – nicht alarmistisch, aber auch nicht beschönigend. Sein roter Faden: Sicherheit sei längst keine reine Aufgabe der Bundeswehr mehr, sondern eine, die nur funktioniert, wenn alle Teile der Gesellschaft mitziehen.

Richard Bongartz

Studiengänge müssen praxisnäher und flexibler werden, um junge Menschen für Technikfächer zu begeistern. Das ist beim Besuch von Prof. Marion Halfmann, Präsidentin der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, im Bonner Medien-Club deutlich geworden. „Vielleicht müssen wir auch in den Studiengängen zum Teil ein bisschen entmotten“, sagte Halfmann. Frühe Einblicke in Berufsfelder sollen helfen, hohe Abbruchquoten zu senken.

Die Hochschule setzt dabei auf enge Kooperationen mit Unternehmen, interdisziplinäre Studiengänge wie Cybersecurity und stärkere internationale Ausrichtung. Zugleich beklagte Halfmann lange Entwicklungszeiten und knappe Mittel. 90 Prozent des Budgets kommen vom Land NRW – Spielräume bleiben gering. Neue Potenziale sieht Halfmann in der wissenschaftlichen Weiterbildung für Unternehmen. Voraussetzung: bessere gesetzliche Rahmenbedingungen und Anrechnung auf die Lehre. „Jetzt ist die Frage Geld“, so Halfmann. Das sei ein schwieriges Feld.

Richard Bongartz

Beim Besuch des CDU-Europaabgeordneten Axel Voss beim Bonner Medien-Club stand die Zukunft Europas im Mittelpunkt. Voss skizzierte die großen Herausforderungen für die EU: Klimakrise, Migration, Digitalisierung und geopolitischer Druck von außen. Er forderte mehr politische Führung – insbesondere von Deutschland – und ein entschlosseneres gemeinsames Handeln der Mitgliedsstaaten.

Mit Blick auf die Digitalisierung sprach sich Voss für mehr europäische Souveränität und eine Stärkung eigener Infrastrukturen aus. Auch rechtliche Fragen wurden thematisiert, etwa das sogenannte Plattformprivileg, das großen Internetkonzernen rechtliche Vorteile verschafft. Hier sei eine Reform überfällig, um faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.

Voss plädierte für mehr Gemeinsamkeit in der Außen-, Sicherheits- und Technologiepolitik – und machte klar: Nur wenn Europa seine Kräfte bündelt, kann es auch künftig eine gestaltende Rolle in der Welt einnehmen.

Richard Bongartz

Beim Bonner Medien-Club stand ein Thema auf dem Programm, das selten so greifbar und gleichzeitig so abstrakt ist: Cybersicherheit. Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), sprach im Schützenhof über die wachsenden Herausforderungen im digitalen Raum – von Ransomware-Angriffen bis zu Sicherheitslücken in der kritischen Infrastruktur. Ihr zentrales Anliegen: IT-Sicherheit muss verständlich, anwendbar und vor allem mitgedacht werden – nicht nur von Fachleuten, sondern in der gesamten Gesellschaft.

Plattner bringt für diese Aufgabe einen bemerkenswerten Werdegang mit: Sie studierte Mathematik an der TU Darmstadt und absolvierte ein Masterstudium in angewandter Mathematik in den USA. Ihre berufliche Laufbahn führte sie über Stationen als Softwareentwicklerin und CIO der Bahn-Tochter DB Systel bis hin zur Europäischen Zentralbank, wo sie als Generaldirektorin für Informationssysteme tätig war. Seit 2023 leitet sie das BSI – als erste Frau an der Spitze der Behörde.

Im Gespräch mit den BMC-Mitgliedern betonte Plattner, wie wichtig klare Zuständigkeiten und eine gute Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern, Wirtschaft und Zivilgesellschaft seien. Das BSI wolle sich stärker als aktiver Gestalter der Digitalisierung positionieren – nicht nur als Feuerwehr im
Krisenfall, sondern als strategischer Partner in einer vernetzten Welt.

Richard Bongartz

Zum Hintergrundgespräch mit Dr. Katrin Vernau waren auch unsere Fördermitglieder eingeladen. Unser Gast hat am 1. Januar 2025 das Amt der Intendantin des Westdeutschen Rundfunks übernommen. Somit stellte sie sich bereits vor Ablauf der 100-Tage-Frist den Fragen unserer Mitglieder. Erst am 10. April endet also ihre allgemein anerkannte Schonfrist. Sie gab auf der Waldau einen Ausblick darauf, wie sie sich die Zukunft des WDR vorstellt. Die 51-Jährige war zuvor unter Tom Buhrow als Verwaltungsdirektorin des WDR tätig und bringt auch Erfahrung aus der Hochschulleitung in Ulm und Hamburg sowie aus der Unternehmensberatung, zuletzt als Partnerin bei Roland Berger, mit.

Ein Schwerpunkt ihrer Strategie liegt auf Regionalität. Da viele den Westdeutschen Rundfunk mit dem Begriff „Heimat“ verbinden, ist es ihr wichtig, mit dem Programm näher an die Menschen im Westen zu rücken. Dabei geht es nicht nur darum, flächendeckend präsent zu sein, sondern auch um die „multidimensionale Perspektivität“, die das Programm bieten sollte.

Zum Thema Verbreitung über Plattformen, die nicht vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk kontrolliert werden, sprach Vernau davon, dass sie wünscht, dass Audiothek, Mediathek und lineare Angebote die entsprechende Relevanz haben. Dennoch sei die Realität, dass viele Menschen nur über Social Media erreicht werden können. Deshalb müsse der WDR auch dort präsent sein. Sie möchte die eigenen Plattformen attraktiver machen und zieht dabei Kooperationen mit privaten Medien in Betracht, um gegen kommerzielle Plattformbetreiber schlagkräftiger zu sein.

Jérôme Lefèvre